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Die Stimme des Handwerks

Vorurteile in der Flüchtlingsdebatte und wie Sie darauf reagieren können

In der Flüchtlingsdebatte werden von Gegnern immer wieder plakative Argumente verwendet. Gerade in sozialen Medien wie Facebook sollten wir auf solche Argumente die passenden, vor allem sachlichen, Gegenargumente bringen.

Viele von Ihnen haben bestimmt die selbe Erfahrung gemacht: Menschen, mit denen man schon viel Zeit im Verein, Beruf oder der Schulzeit verbracht hat, werden plötzlich zu Stimmungsmachern. Hier hilft es überhaupt nicht, wütend zu werden oder auf persönlicher Ebene zu argumentieren! Bleiben Sie bei den Fakten.

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Herr Karsten Schmehl, Redakteur bei BuzzFeed hat 15 Antworten auf Vorurteile gegen Migranten zusammengestellt. Diese nehmen wir im Folgenden als Vorlage:

Vorurteil 1: „Die Ausländer bekommen mehr Geld als ein Hartz-IV-Empfänger“

Das ist weit entfernt von der Wahrheit! Während ein Hartz-IV-Empfänger mit €399,- pro Monat leben muss, bekommen Asylbewerber mehrheitlich Sachleistungen wie Unterkunft, Essen und zusätzlich ein kleines monatliches Taschengeld; alles zusammen liegt je nach Kommune zwischen €287,- und €359,- pro Monat. Das ist sogar noch weniger als das menschenwürdige Existenzminimum!

Vorurteil 2: „Das sind doch alles nur Wirtschaftsflüchtlinge“

In Deutschland bestimmt das Asylverfahrengesetz wer Asyl erhalten kann. Die Voraussetzungen sind, dass diese wegen Ihrer „Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugungen oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe“ eine Verfolgung in ihrer Heimat fürchten müssen. Sehr viele Menschen, die ihre Heimat verlassen, gehen aus einem dieser Gründe.

Ja, es gibt aber auch viele Wirtschaftsflüchtlinge. Wie wir in der letzten Ausgabe schon berichteten, gibt es keinen vernünftigen Grund, warum wir diesen Menschen nicht helfen sollten!

Vorurteil 3: „Die Ausländer nehmen doch nur den arbeitslosen Deutschen die Jobs weg“

Weit gefehlt! Die Regeln, unter denen ein Flüchtling eine Beschäftigung aufnehmen kann, sind sehr streng. Ganz einfach ausgedrückt: Erst wenn es keinen Deutschen oder EU-Bürger gibt, der diese Stelle annehmen kann, haben Flüchtlinge die Möglichkeit dazu! Ein „Wegnehmen von Jobs“ ist damit ausgeschlossen. Dazu kommen noch weitere Voraussetzungen, wie drei Monate Wartefrist vor Erteilung einer Arbeitserlaubnis… einige Betriebe können davon ein Lied singen!

Vorurteil 4: „Asylbewerber sind krimineller als Deutsche“

Die aktuellen Statistiken der Polizei zeigen, dass weder die Kriminalität rund um Flüchtlingsheime steigt, noch das Menschen nicht-deutscher Herkunft krimineller sind als „Bio-Deutsche“. Dieses Vorurteil ist fest in vielen Köpfen verankert, obwohl es doch recht einfach zu entkräften ist.

Vorurteil 5: „Die kommen alle nach Deutschland“

Die meisten Flüchtlinge fliehen in ihre Nachbarländer!

Bei den Flüchtlingen, die in die EU einreisen, hat Deutschland zwar in absoluten Zahlen die meisten aufgenommen, aber längst nicht alle. Wenn wir betrachten, wie viele Anträge es pro 1000 Bürger des Landes gibt,  liegt Deutschland mit 2 Anträgen pro 1000 Einwohner gerade noch im Mittelfeld. Im Vergleich zu uns hat Schweden mit 8 Anträgen pro 1000 Einwohnern die vierfache Aufnahme!

Vorurteil 6: „Warum nehmen wir überhaupt Flüchtlinge auf?!“

Zum einen, weil es unser Grundgesetz in Artikel 16a vorschreibt, das ist übrigens ein so genanntes Menschenrecht. Menschenrechte können auch durch den Gesetzgeber nicht geändert werden!

Dass bei dieser Diskussion überhaupt auf das Grundgesetz verwiesen werden muss ist ein Armutszeugnis! Aus unserer jüngeren Geschichte sollten wir uns als Kultur doch sehr gut daran erinnern können, wie es sich anfühlt, aus der Heimat vertrieben worden zu sein!

Vorurteil 7: „Die vielen Flüchtlinge sind ein großes Problem“

„Nein, Menschen, die ihre Heimat verlassen, weil sie keine andere Möglichkeit für ein besseres Leben für sich und ihre Familie dort sehen, sind kein Problem. Sondern Menschen.“ Die Flüchtlingssituation stellt Behörden vor eine Herausforderung. Die vielen Helfer und Freiwillige zeigen aber auch, dass wir als Volk diese Herausforderung angenommen haben und meistern werden.

Vorurteil 8: „Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen“

Die ganze Welt will ja auch nicht zu uns! Wir reden über Flüchtlinge, deren Aufnahme geprüft wird und die im Verglich zu unserer Bevölkerung nur eine verschwindend geringe „Masse“ darstellen.

Vorurteil 9: „Sozialschmarotzer rauben nur unsere Sozialkassen aus“

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung zahlt im Schnitt jeder Ausländer €3300,- mehr Steuern und Sozialbeiträge ein, als sie „kassieren“. Damit finanzieren unsere ausländischen Mitbürger die deutschen Sozialhilfeempfänger…

Vorurteil 10: „Durch Zuwanderung geht die deutsche Kultur zugrunde“

Die UNESCO schreibt, dass “kulturelle Vielfalt ein wichtiges Merkmal der Menschheit” ist. Menschen mit vielfältigen kulturellen und persönlichen Hintergründen und Erfahrungen bereichern jede Kultur – auch die in Deutschland.

Vorurteil 11: „Wir sollten uns lieber um unsere eigenen Armen kümmern“

Es besteht kein Zusammenhang zwischen den Armen im eigenen Land und den Flüchtlingen. Durch die Aufnahme von Flüchtlingen werden keine Sozialleistungen verringert. Wir sind und bleiben ein hervorragender Sozialstaat.

Vorurteil 12: „Europa nimmt die meisten Flüchtlinge auf“

Nur sechs Prozent der Flüchtlinge aus Syrien fliehen nach Europa! Die meisten Flüchtlinge bleiben in der Nähe ihrer Heimat und fliehen in die Nachbarländer Libanon, Jordanien, Irak und die Türkei.

Vorurteil 13: Wir können doch nicht alle Probleme dieser Welt lösen“

Es wäre schön, wenn wir es könnten, aber wir können es nicht, wir müssen es nicht und niemand erwartet das von uns. Flüchtlinge aufzunehmen ist nicht nur eine Aufgabe, die sich aus unserer Verfassung ergibt, sondern auch kulturell in unserer Geschichte verankert ist. Wir sind Menschen und helfen einander.

Vorurteil 14: „Es kann doch nicht ganz Afrika kommen“

Afrika ist ein Kontinent, der aus 54 unabhängigen Staaten besteht. In diesen Ländern leben insgesamt ungefähr 1,1 Milliarden Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Menschen alle nach Deutschland kommen, ist sehr gering.

Vorurteil 15: „Hier ist kein Platz mehr für Flüchtlinge“

Mit ca. 232 Menschen auf einem Quadratkilometer ist Deutschland nicht besonders dicht besiedelt. Im Vergleich sind es in Malta rund 1336 Menschen pro Quadratkilometer. Im Land haben wir mehr als genug Platz für Flüchtlinge, die Frage ist nur, haben wir auch genug Toleranz zu bieten?

Zum Abschluss möchte ich folgende Flüchtlingsgeschichte empfehlen: http://www.huffingtonpost.de/gunda-windmaller/fluchtlinge-urteilt-geschichte_b_7909454.html


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